Noè Ponti bleibt überraschend ohne Medaille – Roman Mityukov und Flavio Bucca im Final
Roman Mityukov und Flavio Bucca sorgen am zweiten Wettkampftag der Schwimm-Europameisterschaften in Paris für einen starken Schweizer Abschluss. Beide qualifizieren sich über 200 m Rücken für den Final und unterstreichen ihre starke Form. Für Noè Ponti endet der Tag hingegen mit einer grossen Enttäuschung: Der Tessiner bleibt über 50 m Schmetterling trotz starker Leistungen in Vorlauf und Halbfinal überraschend ohne Medaille.
Der zweite Wettkampftag der Schwimm-Europameisterschaften im Centre Aquatique Olympique in Paris bot aus Schweizer Sicht ein Wechselbad der Gefühle. Bereits am Morgen sorgten Roman Mityukov und Flavio Bucca über 200 m Rücken für zwei Halbfinalqualifikationen. Bucca verbesserte dabei seine persönliche Bestzeit deutlich. Am Abend legten die beiden nochmals nach und qualifizierten sich gemeinsam für den Final.
Für Noè Ponti nahm der Tag dagegen eine unerwartete Wendung. Nach seinem starken Halbfinal am Vorabend war der Tessiner als Mitfavorit auf eine Medaille über 50 m Schmetterling in den Final gestartet. Am Ende musste er sich jedoch mit Rang acht begnügen.
Balint ASHTON of Switzerland reacts after competing in the Men's 100m Freestyle Heats during the swimming events of the European Aquatics Championships in Paris, France, Tuesday, Aug. 11, 2026. (Photo by Patrick B. Kraemer / MAGICPBK)
Mauri erstmals unter 50 Sekunden
Der Wettkampfmorgen begann mit einem persönlichen Meilenstein für Mattia Mauri. Über 100 m Freistil blieb der 20-Jährige erstmals in seiner Karriere unter der Marke von 50 Sekunden. In 49,48 Sekunden verbesserte Mauri seine persönliche Bestzeit und zeigte damit erneut, dass er sich aktuell in guter Form befindet. „Ich war bereit, das endlich zu schaffen – unter 50 Sekunden. Ich bin glücklich, dass es so geklappt hat“, sagte Mauri nach seinem Rennen. Bereits am Vortag hatte er mit einem starken Abschnitt in der 4×200-m-Freistilstaffel überzeugt. Mauri lebt seit einem Jahr in den USA und sieht dort auch eine wichtige mentale Entwicklung. „Ich habe gelernt, dass man, egal was passiert, weitermachen muss.“ Diese neue Mentalität möchte er nun auch an den Europameisterschaften nutzen. Sein Ziel für Paris ist es vor allem, weitere Erfahrungen zu sammeln und seine persönlichen Bestzeiten weiter zu verbessern.
Ebenfalls über 100 m Freistil waren Tiago Behar, Robin Yeboah und Balint Ashton im Einsatz. Behar schlug in 49,87 Sekunden an und belegte Rang 60. Mit den ersten 50 Metern war er zufrieden, auf der zweiten Rennhälfte verlor er jedoch etwas an Tempo. „Einige Dinge hätte ich sicher besser machen können“, analysierte er. Nun richtet er den Fokus auf die kommenden Einsätze und insbesondere die 4×200-m-Freistilstaffel.
Yeboah kam in 50,67 Sekunden auf Rang 77. Sein Rennen verlief nicht wie erhofft. Er wollte die ersten 50 Meter etwas schneller angehen, konnte diese Strategie aber nicht wie geplant umsetzen. Die genaue Analyse will er erst nach der EM vornehmen.
Für Balint Ashton sind die Europameisterschaften seine ersten internationalen Titelkämpfe auf Elite-Niveau und überhaupt sein erster internationaler Wettkampf für die Schweiz. Er schlug in 50,69 Sekunden an und belegte Rang 37. Mit seiner Leistung zeigte er sich grundsätzlich zufrieden, glaubt aber, dass beim Start noch mehr möglich gewesen wäre. Besonders wertvoll war für Ashton die gemeinsame Erfahrung mit Mattia Mauri. Die beiden Basler Rookies schwammen im gleichen Lauf und konnten sich bis zum Start gegenseitig begleiten und unterstützen. „Das macht es schon einfacher für uns“, sagte Ashton.
Julia ULLMANN of Switzerland competes in the Women’s 50m Butterfly Heats during the swimming events of the European Aquatics Championships in Paris, France, Tuesday, Aug. 11, 2026. (Photo by Patrick B. Kraemer / MAGICPBK)
Löhr sammelt wichtige Erfahrungen
Auch Kay-Lyn Löhr erlebte einen wichtigen ersten Auftritt auf der grossen internationalen Elite-Bühne. Über 100 m Brust schwamm die junge Schweizerin 1:09,24 Minuten und belegte Rang 25. Die Nervosität war dabei deutlich spürbar. „Ich war mega nervös“, erklärte Löhr. Sie habe gezittert und die Anspannung im ganzen Körper gespürt. Gleichzeitig sieht sie genau darin eine wichtige Erfahrung für ihre weitere Entwicklung. Über ihre Hauptstrecke, die 200 m Brust, möchte Löhr mutiger ins Rennen gehen. „Ich weiss, dass ich schnell zurückkommen kann. Deshalb kann ich auch schneller angehen.“ Die Erfahrungen aus dem 100er will sie nun in ihren nächsten Einsatz mitnehmen.
Rasmussen findet zurück zum Wassergefühl
Über 50 m Schmetterling waren Gaia Rasmussen und Julia Ullmann im Einsatz. Rasmussen zeigte sich im Vergleich zu ihrem Rennen am Vortag deutlich zufriedener. In 27,09 Sekunden belegte sie Rang 39. Vor allem das Gefühl im Wasser war wieder zurück. „Ich habe das Gefühl im Wasser zurückgekriegt, das ich liebe“, sagte Rasmussen. Sie habe das Rennen mehr geniessen können und blickt nun zuversichtlich auf ihre weiteren Einsätze.
Ullmann schlug in 27,22 Sekunden an und wurde 41. Mit ihrem Rennen war sie weniger zufrieden, obwohl sie sich vor dem Start eigentlich gut gefühlt hatte. Ihr Fokus liegt vor allem auf dem 100-m-Schmetterling-Einzelrennen und den kommenden Staffelstarts.
Flavio BUCCA of Switzerland jubilates after competing in the Men's 200m Backstroke Heats during the swimming events of the European Aquatics Championships in Paris, France, Tuesday, Aug. 11, 2026. (Photo by Patrick B. Kraemer / MAGICPBK)
Schweizer Rücken-Duo setzt Ausrufezeichen
Für den Höhepunkt des Vormittags sorgten schliesslich Roman Mityukov und Flavio Bucca über 200 m Rücken. Mityukov schlug nach 1:55,91 Minuten an und belegte Rang fünf. Der Genfer zeigte ein kontrolliertes Rennen und qualifizierte sich souverän für den Halbfinal.
Für Bucca verlief das Rennen noch erfolgreicher. Der 21-Jährige schwamm in 1:56,63 Minuten eine neue persönliche Bestzeit und verbesserte seine bisherige Bestmarke gleich um sieben Zehntelsekunden. Damit qualifizierte er sich als Zehnter für seinen ersten Halbfinal an einer Elite-Europameisterschaft.
„Mein grosses Ziel war, unter 1:57 zu schwimmen. Das ist geglückt – und sogar relativ deutlich“, sagte Bucca. Die Entwicklung führt er auch auf sein neues Umfeld beim SC Uster und die Zusammenarbeit mit Coach Pablo Kutscher zurück.
Im Halbfinal am Abend sollten beide dann nochmals für Furore sorgen.
Swiss swimmers Julia ULLMANN, Antonio DJAKOVIC, Gaia RASMUSSEN and Gian-Luca GARTMANN pose for a photo on their way out after competing in the Mixed 4x100m Medley Relay Heats during the swimming events of the European Aquatics Championships in Paris, France, Tuesday, Aug. 11, 2026. (Photo by Patrick B. Kraemer / MAGICPBK)
Mixed-Staffel mit wichtigen Erkenntnissen
Zum Abschluss des Vormittags stand die Mixed-4×100-m-Lagenstaffel auf dem Programm. Gaia Rasmussen, Gian-Luca Gartmann, Julia Ullmann und Antonio Djakovic schlugen nach 3:53,26 Minuten an und belegten Rang 16.
Rasmussen zeigte auf der Rückenstrecke mit 1:02,22 Minuten eine deutliche Steigerung gegenüber dem Vortag. „Es war viel besser als gestern“, sagte sie. Trotz einer leichten Berührung mit der Leine konnte sie das Rennen gut zu Ende schwimmen. Gian-Luca Gartmann schwamm die Bruststrecke in 1:01,41 Minuten. Vor allem die ersten 50 Meter gelangen ihm deutlich besser als am Vortag. Auf der zweiten Bahn habe er etwas leiden müssen, gleichzeitig nahm er eine wichtige Erkenntnis mit: „Jetzt sehe ich, dass der Speed doch da ist.“ Mit Blick auf sein Hauptrennen über 200 m Lagen stimmt ihn das zuversichtlich. Den Schmetterlingsabschnitt absolvierte Julia Ullmann in 59,80 Sekunden und konnte weitere Erkenntnisse für ihren Einzelstart über 100 m Schmetterling sammeln. Die Freistilstrecke übernahm kurzfristig Antonio Djakovic. In 49,83 Sekunden sammelte sie bereits etwas Speed für ihr Hauptrennen über 200 m Freistil am Donnerstag. „Es hat ganz gut funktioniert. Ich freue mich auf Donnerstag, wenn es für mich endlich auch im Einzel losgeht.“
Noe PONTI of Switzerland reacts after dropping his goggles in the Men's 50m Butterfly Final and finishing 8th during the swimming events of the European Aquatics Championships in Paris, France, Tuesday, Aug. 11, 2026. (Photo by Patrick B. Kraemer / MAGICPBK)
Ponti verpasst überraschend die Medaille
Am Abend richtete sich der Fokus dann auf Noè Ponti. Nach seinem starken Halbfinal am Vorabend, den er in 22,53 Sekunden gewonnen hatte, ging der Schweizer als Drittschnellster und Mitfavorit in den Final über 50 m Schmetterling.
Doch bereits beim Start kam es anders als geplant. Ponti verlor beim Startsprung seine Schwimmbrille. „Ich habe versucht, mein Bestes zu geben, aber natürlich mit offenen Augen unter Wasser – nur mit den Kontaktlinsen – ist das nicht gerade das Angenehmste auf der Welt“, erklärte der Tessiner nach dem Rennen. Der Zwischenfall beeinflusste offenbar auch seine Konzentration. „Ich war sehr geladen und ruhig. Schiefgegangen ist eigentlich nichts im Sinne davon, dass ich mich schlecht gefühlt hätte. Ich habe mich gut gefühlt, war weder nervös noch sonst was. Aber ich habe die Schwimmbrille verloren und dadurch vermutlich direkt nach dem Startsprung die Konzentration verloren.“ In 22,91 Sekunden blieb Ponti deutlich über seiner Halbfinalzeit und musste sich mit Rang acht begnügen. Die Medaille, die nach dem starken Halbfinal durchaus in Reichweite gelegen hatte, war damit ausser Reichweite. Trotz der Enttäuschung richtet Ponti den Blick bereits wieder nach vorne. „Aber so ist der Sport. Morgen steht schon der nächste Wettkampf an, also wird umgeblättert.“
Roman MITYUKOV and Flavio BUCCA of Switzerland ccompetes in the Men's 200m Backstroke Semifinal during the swimming events of the European Aquatics Championships in Paris, France, Tuesday, Aug. 11, 2026. (Photo by Patrick B. Kraemer / MAGICPBK)
Mityukov und Bucca sorgen für versöhnlichen Abschluss
Nur wenig später folgte aus Schweizer Sicht der versöhnliche Abschluss des Abends. Roman Mityukov und Flavio Bucca schwammen im zweiten Halbfinal über 200 m Rücken direkt nebeneinander auf den Bahnen zwei und drei – und beide qualifizierten sich souverän für den morgigen Final.
Mityukov bestätigte seine starke Form und schlug nach 1:54,85 Minuten an. Damit verpasste er seinen eigenen Schweizer Rekord lediglich um zwei Hundertstelsekunden. Der Genfer belegte Rang vier und hat damit beste Voraussetzungen für den Kampf um die Medaillen. Für Mityukov ist Paris ein besonderer Ort: Vor zwei Jahren gewann er an den Olympischen Spielen in der französischen Hauptstadt über 200 m Rücken die Bronzemedaille. Nun steht er erneut in einem internationalen Final über seine Paradestrecke. Mit Blick auf den Final bleibt der 26-Jährige jedoch vorsichtig. „Morgen ist ein neuer Tag.“ Nun gehe es vor allem darum, die 24 Stunden bis zum Final optimal für die Regeneration zu nutzen.
Im Sog seines erfahrenen Teamkollegen gelang Flavio Bucca erneut eine herausragende Leistungssteigerung. Bereits am Morgen hatte der 21-Jährige seine persönliche Bestzeit auf 1:56,63 Minuten verbessert. Im Halbfinal legte er nochmals nach und schwamm 1:55,73 Minuten. Damit verbesserte Bucca seine erst wenige Stunden alte Bestmarke nochmals um neun Hundertstelsekunden. Insgesamt steigerte er seine persönliche Bestzeit innerhalb eines einzigen Tages um 1,6 Sekunden. „Ich muss das zuerst einmal realisieren“, sagte der Thurgauer nach dem Anschlag. Trotz der starken Konkurrenz und Mityukov direkt neben sich konzentrierte er sich konsequent auf sein eigenes Rennen. Er blieb seiner taktischen Linie treu und schwamm kontrolliert. Bucca fühlte sich am Abend sogar etwas besser als noch am Morgen. Entscheidend sei gewesen, das Rennen sauber einzuteilen und nicht mit einer zu hohen Frequenz aus dem Rhythmus zu geraten. Die starke Entwicklung innerhalb weniger Stunden ist das Resultat von täglicher Arbeit, Selbstvertrauen sowie der Unterstützung seines Trainers, seiner Teamkollegen und seiner Familie. Mit 1:55,73 Minuten belegte Bucca Rang sechs und steht damit ebenfalls im morgigen Final.
Damit wartet am Mittwochabend ein Schweizer Doppel im Final über 200 m Rücken. Um 18:40 Uhr kämpfen Roman Mityukov und Flavio Bucca gemeinsam um die Medaillen.
Wir gratulieren herzlich zur erfolgreichen Finalqualifikation und wünschen für den morgigen Final viel Erfolg!
Gian-Luca GARTMANN of Switzerland competes in the Mixed 4x100m Medley Relay Heats during the swimming events of the European Aquatics Championships in Paris, France, Tuesday, Aug. 11, 2026. (Photo by Patrick B. Kraemer / MAGICPBK)
Resultate, 11. August 2026
Evening Session
- Noè Ponti: 50 m Schmetterling – 22,91 s – 8. Platz
- Roman Mityukov: 200 m Rücken – 1:54,85 min – 4. Platz → Final
- Flavio Bucca: 200 m Rücken – 1:55,73 min – 6. Platz → Final
Vorläufe
- Mattia Mauri: 100 m Freistil – 49,48 s – 49. Platz (PB)
- Tiago Behar: 100 m Freistil – 49,87 s – 60. Platz
- Robin Yeboah: 100 m Freistil – 50,67 s – 77. Platz
- Balint Ashton: 100 m Freistil – 50,69 s – 37. Platz
- Kay-Lyn Löhr: 100 m Brust – 1:09,24 min – 25. Platz
- Gaia Rasmussen: 50 m Schmetterling – 27,09 s – 39. Platz
- Julia Ullmann: 50 m Schmetterling – 27,22 s – 41. Platz
- Roman Mityukov: 200 m Rücken – 1:55,91 min – 5. Platz → Halbfinal
- Flavio Bucca: 200 m Rücken – 1:56,63 min – 10. Platz → Halbfinal
- Mixed 4×100 m Lagen: Rasmussen, Gartmann, Ullmann, Djakovic – 3:53,26 min – 16. Platz
Die Wettkämpfe können live auf Eurovision Sport verfolgt werden. Alle Informationen zur EM, wie auch Start- und Ranglisten finden Sie auf der Eventwebseite.