Noe PONTI of Switzerland competes in the Men's 50m Butterfly Final during the swimming events of the European Aquatics Championships in Paris, France, Tuesday, Aug. 11, 2026. (Photo by Patrick B. Kraemer / MAGICPBK)
NOè Ponti setzt ein Ausrufezeichen
Noè Ponti gelingt am Morgen nach der bitteren Enttäuschung über 50 m Schmetterling die perfekte Reaktion. Der 25-jährige Tessiner gewinnt seinen Vorlauf über 100 m Schmetterling in starken 50.47 Sekunden und qualifiziert sich als Gesamtschnellster souverän für das Halbfinale.
Nach dem gestrigen Final über 50 m Schmetterling, in dem Ponti nach dem Verlust seiner Schwimmbrille beim Start überraschend den achten Rang belegt hatte, war die Ausgangslage am Mittwochmorgen eine besondere. Mit einer neuen Schwimmbrille und hochmotiviert ging der Tessiner über seine Paradedistanz an den Start – und setzte gleich ein deutliches Zeichen.
In 50.47 Sekunden schlug Ponti als Erster seines Vorlaufs an und liess dabei auch die internationale Konkurrenz hinter sich. Der Ungar Kristóf Milák folgte in 50.81 Sekunden, der Franzose Maxime Grousset schlug in 51.03 Sekunden an. Damit war Ponti über alle Vorläufe hinweg der Schnellste.
„Ich habe mich ziemlich gut gefühlt“, sagt Ponti nach seinem Rennen. „Am Ende war ich schon müde, aber es ist normal, es ist Morgen.“ Dass er nach den Ereignissen des Vorabends so stark zurückkehren konnte, freut den Tessiner besonders: „Nach gestern Abend war es nicht so einfach, zurückzukommen und gut zu schwimmen. Aber ich habe es geschafft.“
Ponti wollte am Morgen bewusst eine Reaktion zeigen. „Ich wollte zeigen, dass ich in einer guten Form bin. Jetzt geht es weiter.“ Für den Halbfinal am Abend will der Schweizer seine Kräfte gezielt einteilen: „Heute Abend werde ich versuchen, ein bisschen Energie zu sparen und dann morgen Abend alles geben.“
Der nächste Schritt folgt bereits am Mittwochabend. Um 19:37 Uhr bestreitet Ponti als Teil des zweiten Halbfinals seinen nächsten Einsatz über 100 m Schmetterling. Nach dem starken Vorlauf kämpft der Tessiner damit um den Einzug in den Final.
Somit steht neben Roman Mityukov und Flavio Bucca, die um 18:40 Uhr um die Medaillen über 200 m Rücken kämpfen, ein dritter Schweizer heute Abend im Einsatz.
Wir wünschen dem Trio viel Erfolg!
Robin Yeboah mit seinem besten Rennen der EM
Ebenfalls über 100 m Schmetterling war Robin Yeboah im Einsatz. Mit 53.54 Sekunden belegte er Rang 46, konnte aber trotz des Resultats zufrieden aus dem Rennen gehen. Für Yeboah war es seine bisher beste Zeit an dieser Europameisterschaft. „Das ist sicher die beste Zeit, die ich jetzt hier an der EM geschwommen bin“, sagt er. Ganz dort, wo er seine Zeit erwartet hatte, lag er zwar nicht, dennoch war die Freude über die Leistung gross. Der Bassler hatte in den vergangenen Tagen insbesondere bei der Effizienz noch Verbesserungspotenzial festgestellt. Deshalb legte er beim Einschwimmen am Mittwochmorgen einen besonderen Fokus auf die Technik und stimmte sich mit seinen Trainerinnen und Trainern in Basel und den USA ab. Übungen, die er normalerweise aus dem Training kennt, halfen ihm dabei, wieder ein gutes Gefühl für das Wasser zu entwickeln. Der Ansatz zahlte sich aus: „Hat gut geklappt“, bilanziert Yeboah zufrieden. Für ihn stehen an dieser EM nun noch mögliche Staffeleinsätze sowie am Samstag die 50 m Freistil auf dem Programm.
Ein persönliches Erfolgserlebnis verbuchte Enrico Sottile ebenfalls über 100 m Schmetterling. In 53.96 Sekunden stellte er eine neue persönliche Bestzeit auf und blieb damit erstmals unter der Marke von 54 Sekunden. Rang 52 steht am Ende für den jungen Schweizer zu Buche. Für Sottile ist die Europameisterschaft zudem die erste internationale Meisterschaft auf Elite-Niveau. Entsprechend gross ist die Freude über die persönliche Bestmarke und die Erfahrungen, die er in Paris sammeln kann, und freut sich auf seinen Hauptrennen 200 m Schmetterling.
Für Marius Toscan endeten die 100 m Schmetterling in 55.23 Sekunden auf Rang 59. Auf der Strecke, die nicht zu seinen Spezialdisziplinen gehört, hatte er sich etwas mehr erhofft. „Logisch hätte ich mir ein bisschen mehr erhofft“, sagt Toscan. Gerade weil man mit dem Ziel einer persönlichen Bestzeit ins Rennen gehe, sei das Resultat nicht ganz das, was er sich gewünscht habe. Gleichzeitig habe er sich im Wasser grundsätzlich nicht schlecht gefühlt. Viel Zeit zum Grübeln bleibt ohnehin nicht. Toscan richtet den Fokus bereits auf sein nächstes wichtiges Rennen: die 200 m Schmetterling am Freitag.
Vanna Djakovic mit gemischten Gefühlen über 200 m Freistil
Über 200 m Freistil gingen Vanna Djakovic, Gaia Rasmussen und Manon Richard an den Start. Djakovic schlug nach 2:03.06 Minuten an und belegte Rang 36. Die Strecke ist für sie eher eine Nebenstrecke – umso wichtiger ist der Blick auf die kommenden Rennen. Mit ihrer Leistung kann sie grundsätzlich zufrieden sein, auch wenn sie erneut knapp an der Marke von 2:03 Minuten vorbeischrammte. „Diese 2:03-Marke versuche ich schon seit sehr langer Zeit zu knacken“, erklärt Djakovic. Entsprechend ärgern sie die wenigen Hundertstelsekunden, die erneut fehlten. Gleichzeitig weiss sie ihre aktuelle Form richtig einzuordnen: „Ich bin gut in Form und freue mich auf meine letzten zwei Rennen.“ Die Stimmung an der Europameisterschaft sei zudem „einfach unglaublich“.
Manon Richard beendete die 200 m Freistil in 2:03.47 Minuten auf Rang 38. Im Vergleich zu ihrem ersten Rennen an dieser Europameisterschaft gelang es ihr, ihre Nervosität besser unter Kontrolle zu bringen. Richard ging das Rennen bewusst mutig an. Sie liess sich nicht davon beeinflussen, dass die Konkurrentinnen neben ihr teilweise langsamer starteten, sondern setzte die Vorgabe ihres Trainers Clément Bailly um: das eigene Rennen schwimmen und sich nicht zu sehr an den anderen orientieren. „Ich habe mich getraut, mutig anzugehen“, erzählt Richard. Besonders positiv sei für sie gewesen, dass sie ihr eigenes Tempo durchgezogen habe. Auf dem Rückweg habe dann etwas die Energie gefehlt. Dennoch nimmt sie aus dem Rennen eine wichtige Erfahrung mit und weiss, woran sie in der kommenden Saison weiterarbeiten will.
Auch Gaia Rasmussen schwamm über 200 m Freistil. In 2:03.25 Minuten belegte sie Rang 37. Nach ihrem Rennen zeigte sie sich allerdings sehr enttäuscht über den Verlauf.
Angelina PATT of Switzerland reacts after competing in the Women’s 100m Freestyle Heats during the swimming events of the European Aquatics Championships in Paris, France, Monday, Aug. 10, 2026. (Photo by Patrick B. Kraemer / MAGICPBK)
Gartmann mit wichtigem Schritt nach vorne
Über 200 m Brust ging Gian-Luca Gartmann an den Start. Mit 2:17.07 Minuten belegte er Rang 30. Für Gartmann war das Rennen vor allem auch mental wichtig. Nach seinem ersten Auftritt fühlte er sich deutlich besser und konnte an seine Leistungen aus Uster anknüpfen. „Definitiv, nach diesem Rennen jetzt definitiv. Mental geht es mir viel besser“, sagte er nach seinem Auftritt. Besonders wichtig ist für ihn die Erkenntnis, dass er körperlich offenbar in der Lage ist, seine Leistungen aus dem Training und von den Schweizer Meisterschaften abzurufen. „Jetzt zeigt es mir, dass ich zumindest an meine Leistungen aus Uster anknüpfen kann, wenn nicht sogar besser.“ Diese Erfahrung gibt ihm zusätzliches Selbstvertrauen für sein eigentliches Hauptziel an dieser EM: die 200 m Lagen. Gerade die Bruststrecke nach der Rückenstrecke gibt ihm ein gutes Gefühl und beruhigt ihn mit Blick auf das Rennen.
Angelina Patt: Gutes Gefühl, aber das Halbfinale knapp verpasst
Angelina Patt schwamm die 50 m Rücken in 28.58 Sekunden und belegte damit Rang 30. Für die 20-jährige Schweizerin wäre mehr möglich gewesen – bis rund 40 Meter habe sich das Rennen sehr gut angefühlt.
Danach verlor sie etwas an Frequenz und konnte das Tempo nicht mehr halten. „Vielleicht ist es einfach ein bisschen zu schnell gewesen am Anfang und dann hat die Energie nicht mehr gereicht“, analysiert Patt selbst. Trotzdem fällt ihre Bilanz positiv aus. Sie habe sich insgesamt gut gefühlt und sei mit ihren beiden Rennen zufrieden.
Kurz danach war Patt bereits wieder als Startschwimmerin der 4×100-m-Freistilstaffel gefordert. Gemeinsam mit Gaia Rasmussen, Manon Richard und Julia Ullmann erreichte das Schweizer Quartett in 3:44.39 Minuten Rang 11. Patt konnte dabei gegenüber ihrem Einzelrennen nochmals zulegen – ein Umstand, der ihr zusätzliches Selbstvertrauen für ihre kommenden Rennen gibt. Auch Julia Ullmann und Gaia Rasmussen nahmen aus der Staffel wichtige positive Signale mit. Obwohl das Quartett den Final nicht erreichte, habe sie nach dem Anschlag gewusst, dass ihre Form stimmt. „Ich weiss, dass ich fit und in Form bin“, so Ullmann. Diese Erkenntnis gibt ihr Selbstvertrauen für ihr Hauptrennen und die weiteren Staffeleinsätze.
Roman MITYUKOV and Flavio BUCCA of Switzerland ccompetes in the Men's 200m Backstroke Semifinal during the swimming events of the European Aquatics Championships in Paris, France, Tuesday, Aug. 11, 2026. (Photo by Patrick B. Kraemer / MAGICPBK)
Schweizer Vormittag mit unterschiedlichen Gefühlen
Der Vormittag in Paris zeigt damit einmal mehr die unterschiedlichen Facetten einer Europameisterschaft: Während Noè Ponti mit der schnellsten Vorlaufzeit über 100 m Schmetterling ein deutliches Zeichen setzt und sich souverän für das Halbfinale qualifiziert, sammeln auch die übrigen Schweizer Athlet:innen wichtige Erfahrungen.
Für einige steht die persönliche Bestzeit oder eine positive Reaktion im Vordergrund, andere nehmen trotz verpasster Ziele wichtige Erkenntnisse aus ihren Rennen mit. Besonders bei Ponti ist die Richtung nach dem starken Vorlauf klar: Die Enttäuschung vom Vortag ist abgehakt – nun gilt der Fokus dem Halbfinale über 100 m Schmetterling.
Resultate Heats, 12. August 2026
- 200 m Freistil
Vanna Djakovic: 2:03,06 min – 36. Platz
Gaia Rasmussen: 2:03,25 min – 37. Platz
Manon Richard: 2:03,47 min – 38. Platz - 100 m Schmetterling
Noè Ponti: 50,47 s – 1. Platz -> Halbfinale
Robin Yeboah: 53,54 s – 46. Platz
Enrico Sottile: 53,96 s (PB) – 52. Platz
Marius Toscan: 55,23 s – 59. Platz - 50 m Rücken
Angelina Patt: 28,92 s – 28. Platz - 200 m Brust
Gian-Luca Gartmann: 2:15,39 min – 37. Platz - 4×100 m Freistil der Damen
Patt, Rasmussen, Richard & Ullmann: 3:44,39 min – 11. Platz
Die Wettkämpfe können live auf SRF, RSI und RTS verfolgt werden. Alle Informationen zur EM, wie auch Start- und Ranglisten finden Sie auf der Eventwebseite.