Schweizer Rekord und Platz 4 für Roman Mityukov – Finalqualifikation für Noè Ponti

Roman Mityukov schwimmt im EM-Final über 200 m Rücken in 1:54,07 Minuten Schweizer Rekord und verpasst Bronze um lediglich 0,11 Sekunden. Flavio Bucca beendet seinen ersten EM-Final auf Rang acht. Über 100 m Schmetterling qualifiziert sich Noè Ponti in 50,21 Sekunden als Gesamterster souverän für den Final.

Roman MITYUKOV of Switzerland competes in the Men's 200m Backstroke Final during the swimming events of the European Aquatics Championships in Paris, France, Wednesday, Aug. 12, 2026. (Photo by Patrick B. Kraemer / MAGICPBK)

Was für ein Rennen im Final über 200 m Rücken: Mit Roman Mityukov und Flavio Bucca standen gleich zwei Schweizer im Endlauf. Für Mityukov ging es dabei um eine weitere EM-Medaille, für Bucca um den ersten grossen Final seiner Karriere.

An der Spitze setzte sich der ungarische Olympiasieger Hubert Kós früh ab und schwamm souverän zum Europameistertitel. Dahinter entwickelte sich ein packendes Rennen um die weiteren Medaillen. Mityukov lag lange mitten im Medaillenkampf und kam nach 150 Metern mit 1:24,71 Minuten als Dritter zur letzten Wende. Auf den letzten 50 Metern wurde der Genfer jedoch noch von Thomas Ceccon abgefangen.

Mityukov schlug schliesslich in 1:54,07 Minuten an und belegte Rang vier – nur elf Hundertstelsekunden hinter der Bronzemedaille. Gleichzeitig verbesserte er seinen eigenen Schweizer Rekord um 76 Hundertstelsekunden.

Mit 1:54.07 schwamm Mityukov nicht nur einen Schweizer Rekord, sondern eine Zeit auf Weltklasse-Niveau. Europameister wurde Hubert Kós in 1:53.08 vor Apostolos Siskos (1:53.81) und Thomas Ceccon (1:53.96).

Flavio BUCCA and Roman MITYUKOV of Switzerland prepare themselves before competing in the Men's 200m Backstroke Final during the swimming events of the European Aquatics Championships in Paris, France, Wednesday, Aug. 12, 2026. (Photo by Patrick B. Kraemer / MAGICPBK)
„Natürlich ist es frustrierend, Vierter zu werden“

Entsprechend gemischt waren die Gefühle beim Genfer nach dem Rennen. Die Leistung selbst gibt ihm grossen Grund zur Zufriedenheit, der knapp verpasste Podestplatz schmerzt jedoch.

„Natürlich ist es frustrierend, Vierter zu werden“, so Mityukov kurz nach dem Rennen. Das Ergebnis erinnere ihn leider an die Europameisterschaften 2022, als er ebenfalls knapp ohne Medaille geblieben war. Gleichzeitig weiss er die Bedeutung seiner Zeit einzuschätzen: „Zumindest ist es eine sehr zufriedenstellende Zeit. Es beweist, dass ich diese Saison gut gearbeitet habe und die Dinge richtig angegangen bin.“

Die neue Schweizer Bestzeit gibt ihm trotz der Enttäuschung zusätzliche Motivation. „Es gibt mir reichlich Motivation. Zwei Jahre in Folge knapp an einer Medaille vorbeizuschrammen, das tut weh. Aber ich hoffe, dass das Beste noch kommt.“

Auch das aussergewöhnlich hohe Niveau des Finals hebt Mityukov hervor. Mit seiner Zeit von 1:54.07 wäre er vor zwei Jahren bei den Olympischen Spielen in Paris sogar Olympiasieger geworden. In diesem Jehr reichte diese Leistung jedoch nicht für eine Medaille. Für Mityukov zeigt dies vor allem, wie stark das europäische Feld derzeit ist. „Dieses europäische Finale fühlte sich wie ein Weltmeisterschafts- oder sogar Olympiafinale an“, sagt er. Mehrere Athleten im Feld gehörten zu den schnellsten Schwimmern der Welt in dieser Saison.

Wie es für ihn nach dieser Europameisterschaft weitergeht, will Mityukov gemeinsam mit seinem Trainer Clément noch genauer besprechen. Eines steht für ihn aber bereits fest: Der Hunger ist weiterhin da. „Wir sind hungrig. Wir wollen diese Emotionen wieder erleben. Das ist das Wichtigste.“

Flavio BUCCA (bottom up) and Roman MITYUKOV of Switzerland compete in the Men's 200m Backstroke Final during the swimming events of the European Aquatics Championships in Paris, France, Wednesday, Aug. 12, 2026. (Photo by Patrick B. Kraemer / MAGICPBK)
Flavio Bucca schreibt seine EM-Geschichte weiter

Für Flavio Bucca war der Final bereits vor dem Start ein besonderer Moment. Der junge Schweizer qualifizierte sich erstmals für einen EM-Final und durfte sich damit auf der grossen Bühne mit den besten Rückenschwimmern Europas messen.

Nach 1:56,63 Minuten im Halbfinale, mit denen er bereits eine deutliche persönliche Bestzeit aufgestellt hatte, konnte Bucca seine Zeit im Final nicht ganz bestätigen. In 1:56,20 Minuten belegte er Rang acht. Von Enttäuschung will Bucca dennoch nichts wissen. Im Gegenteil: «Ich bin trotz allem sehr glücklich darüber, wie es gelaufen ist.» Seine Finalzeit liegt noch immer 1,1 Sekunden unter seiner bisherigen Bestzeit. Und noch beeindruckender: Innerhalb von nur zwei Tagen ist Bucca gleich dreimal deutlich schneller als seine bisherige Bestzeit geschwommen. „Das zeigt, dass ich sehr viel Fortschritt gemacht habe und dass wir auf dem richtigen Weg sind», so der 21-jährige Thurgauer.

Dass er im Final etwas langsamer war als im Halbfinale, kann Bucca ebenfalls einordnen. Er wollte das Rennen ähnlich einteilen wie am Vortag, hatte durch die besondere Finalsituation aber noch etwas mehr vor. „Vielleicht habe ich auf den ersten 100 Metern einen Ticken zu viel gewollt“, analysierte er direkt nach dem Rennen. Für ihn ist das jedoch vor allem eine wertvolle Erfahrung. „Ich möchte in Zukunft noch in weiteren grossen Finals stehen. Von daher ist das sicher eine wertvolle Erfahrung, die ich mitnehmen kann.“

Und die Europameisterschaft ist für Bucca noch nicht vorbei. Mit den 50 m Rücken am Donnerstag und den 100 m Rücken am Samstag stehen zwei weitere Rennen an. Sein Ziel ist klar: Er möchte auch dort seine persönlichen Bestzeiten angreifen. „Mal schauen, ob ich auch im Sprint besser geworden bin und nicht nur auf der 200-m-Distanz. Es wäre natürlich mega cool, das zu sehen.

Noe PONTI of Switzerland competes in the Men's 100m Butterfly Semifinal during the swimming events of the European Aquatics Championships in Paris, France, Wednesday, Aug. 12, 2026. (Photo by Patrick B. Kraemer / MAGICPBK)

Noè Ponti stürmt als Schnellster in den EM-Final

Noè Ponti lässt an diesem Abend keine Zweifel an seiner Klasse aufkommen. Im Halbfinal über 100 m Schmetterling liefert der Tessiner ein Rennen auf Weltklasse-Niveau und schlägt nach 50,21 Sekunden als Erster an. Damit setzt er sich nicht nur in seinem Halbfinal deutlich durch, sondern erzielt auch die schnellste Zeit des gesamten Feldes.

Dabei beginnt das Rennen nicht einmal perfekt. Nach dem Start liegt Ponti zunächst hinter der Konkurrenz und kommt bei der ersten Wende noch als Dritter vorbei. Doch dann spielt der Schweizer seine wohl grösste Stärke aus: die Unterwasserphase. Mit explosiven Delfinkicks nach der Wende arbeitet sich Ponti zurück an die Spitze und setzt sich Meter um Meter von seinen Konkurrenten ab. Auf den letzten 50 Metern lässt er nichts mehr anbrennen. Ponti schlägt in 50,21 Sekunden an und distanziert den französischen Publikumsliebling Maxime Grousset um 57 Hundertstel. Damit gewinnt Ponti nicht nur sein Halbfinale, sondern setzt sich auch in der Gesamtwertung der beiden Halbfinals an die Spitze. Hinter ihm folgen Milák (50.50), Grousset (50.78) und der ungarische Olympiasieger Hubert Kós (51.05).

Noe PONTI of Switzerland competes in the Men's 100m Butterfly Heats during the swimming events of the European Aquatics Championships in Paris, France, Wednesday, Aug. 12, 2026. (Photo by Patrick B. Kraemer / MAGICPBK)
„Morgen muss ich versuchen, ruhig zu bleiben“

Nach dem Rennen zeigt sich Ponti nicht nur mit seiner Leistung, sondern auch mental zufrieden. Noch kurz zuvor hatte er angekündigt, am Abend etwas Energie sparen zu wollen. Im Rennen selbst war davon allerdings wenig zu sehen. „Energie gespart habe ich sicher nicht. Ich bin neben Maxim geschwommen und konnte einfach nicht zurückstecken. Ich wollte auf keinen Fall verlieren“, erzählt Ponti. Ob Grousset am Ende möglicherweise etwas Energie für den Final gespart habe, wisse er nicht. „Ich habe einfach mein eigenes Rennen durchgezogen, mich die ersten 50 Meter sehr gut gefühlt und danach weiter Vollgas gegeben.“

Der Tessiner wirkt nach seinem starken Auftritt gelöst, gibt sogar noch Autogramme von der Tribüne aus. Auch mental scheint die Enttäuschung vom 50-m-Final verarbeitet. „Ich fühle mich auf jeden Fall gut. Morgen muss ich versuchen, ruhig zu bleiben, was keineswegs einfach wird – vor allem mit Blick darauf, was gestern passiert ist.“ Dass Ponti bereits einen Tag nach der Enttäuschung wieder eine solche Leistung abrufen konnte, wertet er selbst als Zeichen seiner mentalen Stärke: „Mental bin ich aber gut aufgestellt. Wäre dem nicht so, hätte ich heute nach der gestrigen Enttäuschung kaum so ein gutes Rennen abliefern können.“ Auch die Konkurrenz hat Ponti genau im Blick. Besonders Kristóf Milák und Maxime Grousset schätzt er stark ein. Beide seien in hervorragender Form und extrem schnell unterwegs. Für Ponti gehören sie gemeinsam mit den weiteren Finalisten zu den grössten Konkurrenten im Kampf um die Medaillen.

Für Ponti ist der Finaleinzug zugleich die nächste Gelegenheit, seine Enttäuschung vom Final über 50 m Schmetterling hinter sich zu lassen. Nachdem er dort überraschend ohne Medaille geblieben war, hat der Tessiner bereits im Vorlauf über 100 m Schmetterling mit 50,47 Sekunden die schnellste Zeit angeschlagen. Im Halbfinal legt er nun nochmals nach und verbessert seine Zeit um 26 Hundertstelsekunden.

Morgen steht damit der nächste grosse Final für Noè Ponti an. Als Schnellster der Halbfinals geht der Schweizer mit einer hervorragenden Ausgangslage ins Rennen der besten acht. Die Medaille, die ihm über 50 m Schmetterling verwehrt blieb, ist dabei erneut das erklärte Ziel.

Resultate Evening Session, 12. August 2026

  • 200 m Rücken
    Roman Mityukov: 1:54,07 min (Schweizer Rekord) – 4 Platz
    Flavio Bucca: 1:56,20 min – 8. Platz
  • 100 m Schmetterling
    Noè Ponti: 50,21 s – 1. Platz -> Final